Altehrwürdige Wahrzeichen der Annaberger Schlosser- und Maschinenbauer-Innung. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Altehrwürdige Wahrzeichen der Annaberger Schlosser- und Maschinenbauer-Innung.

1934 > 1934-45
Der Tag des deutschen Handwerkers hat unser Volk wieder auf die großen Werte hingewiesen, die in der Handarbeit ruhen, der vom Führer ein neuer Adel verliehen worden ist. Wer selbst einmal Gelegenheit hatte, aus alten Schriften und Urkunden Einblick zu bekommen in das Leben unserer altehrwürdigen Handwerksinnungen, wird mit Hochachtung erkennen, wie fest hierdurch die Menschen verknüpft werden mit Leben und Brauchtum ihres Volkes. Die alten Innungen waren und sind nicht nur Interessengemeinschaften der verschiedenen Berufe, sondern Lebensgemeinschaften, die von jedem einzelnen ihrer Mitglieder strenge Einfügung forderten und dafür wieder Halt gaben und Schutz boten in allen Lebenslagen.

Die alten Sitten und Gebräuche des Handwerkstandes sind kein von der Neuzeit überholtes Gut. Die geöffnete Lade, vor der Lehrlinge gedungen und zu Gesellen gesprochen, vor der die jungen Meister auf die Innung verpflichtet werden, gehört weiterhin zum Brauchtum des Handwerks. Ehedem war sie zugleich auch Chronik der Innung. So bewahrte uns die ehrwürdige Lade der Annaberger Schlosserzwangsinnung, auf der die Zahlen 1542 und 1892 stehen, die Überlieferungen dieses Handwerks auf.
Alte Innungslade der Annaberger Schlosserinnung
Die alte Innungslade der Annaberger Schlosserinnung.
In vielen Urkunden, Gesellenbücher und Meisterbriefe, die die alte Lade in sich birgt, berichten von mancherlei Geschehnissen im Laufe der 380jährigen Innungsgeschichte, und wir erhalten wertvolle ergänzende Berichte über geschichtliche Ereignisse dieser vielen Jahre.

Im ältesten Buche, dem von der "Ordnung der Gesellen und Jünger", lesen wir von strengen Regeln und Pflichten, an die die Gesellen und Lehrlinge gebunden waren und wodurch sie zu Ordnung und Anstand erzogen wurden. Wir erfahren weiter von den verschiedenen Prüfungen, die die werdenden Meister ablegen mußten. Daß die Innung eine Gemeinschaft war, die jedem ihrer Mitglieder Beistand gewährte bei allerlei Brandschäden und sonstigen Unglücksfällen, ersehen wir aus dem Kassenbuch von 1791, worin verzeichnet steht, daß ein aus Schlesien vertriebener Meister 2 Groschen Beihilfe bekam, desgleichen ein "abgebrannter" Meister aus Wolkenstein und von Hettstedt.   Auch während des Weltkrieges unterstütze die Innung verschiedentlich unverschuldet in Not geratene Meister aus Ostpreußen und Elsaß-Lothringen.

Auch am Leben der Stadt Annaberg nahm die Innung lebhaftesten Anteil. So lesen wir in den Schriften der Lade, daß die Innung geschlossen an der Einweihung des Barbara-Uttmann-Denkmals teilnahm, und wie sie 1896 das 400jährige Stadtjubiläum von Annaberg festlich beging.
Fahne der vereinigten Annaberger Innungen von 1839
Die Fahne der vereinigten Annaberger Innungen, die am 31. Oktober 1839 geweiht wurde.
Am 29. Juni 1920 traten 4 Uhrmachermeister aus der Innung, die ganz früher Büchsenmacher, Schlosser, Uhrmacher, Sporer und Windenmacher umfaßte, aus und entschlossen sich zur Neugründung einer Uhrmacher-Innung.

Am 23. Oktober 1934 ist die bisher bestehende Schlosser-Zwangs-Innung zur Kreispflicht-Innung der Schlosser und Maschinenbauer umgewandelt worden.

So reiht sich ein Ereignisv ans andere, und eine Kette von Geschehnissen verbindet das Geschlecht von heute mit den Vorfahren, die vor fast 400 Jahren die Innung begründeten. Wir wollen hoffeb, daß eine neue Blütezeit für die Innungen anbrechen möge zum Segen der Handarbeit und zum Wohle fürs ganze deutsche Volk.

Gott grüße das Handwerk!

Illustriertes
Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 45 v. 4. November 1934


Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 128. Jahrgang, Nr. 45, 4. November 1934, S. 1

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