Satzung i. E. — ein aufstrebender Luftkurort. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Satzung i. E. — ein aufstrebender Luftkurort.

Satzung, welches durch den Bau eines Unterkunftshauses auf dem ihm unmittelbar benachbarten Hirtstein jetzt häufig genannt wird, dürfte um 1500 gegründet worden sein. Das auf böhmischer Seite ganz nahe gelegene Sebastiansberg entstand 1516 und Marienberg 1521.
Satzung
Urkundlich zuerst erwähnt wird Satzung 1543, und zwar in einer Beschwerdeschrift des Felix von Hassenstein über die "unterthanen zu der satzung" bei Ferdinand I. wegen unrechtmäßigen "holtzens". Damals gehörte Satzung zum Amt Wolkenstein. In den Jahren 1684—86 wurde eine eigene Kirche gebaut. Satzung blieb jedoch bis 1693 nach Arnsfeld eingepfarrt. Über die Schulverhältnisse gibt eine kurze Eintragung im Kirchenbuch aus dem Jahre 1702 Aufschluß, wonach "dem Schulmeister und Organisten Tobias Klemm zu Satzung ein Söhnchen geboren worden sei".

Trotz seiner Abgelegenheit ist auch Satzung von Kriegsläuften nicht verschont worden. Eine Eintragung ins Totenregister aus der Zeit des siebenjährigen Krieges erwähnt: "Antonio Pratti aus Alessandria in Piemont, Musketier unter dem Kaiserl. Königl. Regiment v. Luzani, wurde bei einem Durchmarsch krank hierher gebracht und starb am 2. Mai 1762. Als Italiener und Katholik wurde er in aller Stille morgens 4 Uhr, ohne alle Zeremonien, zu Grabe gebracht.

Der heutige Hausierhandel, die Haupterwerbsquelle der Satzunger Einwohner, entwickelte sich aus einem einst blühenden Fuhrwesen, das sich bis Leipzig und weit nach Böhmen hinein erstreckte. Der Verfall dieses Fuhrwesens, in dessen Blütezeit um die Wende des 18. Jahrhunderts der wirtschaftliche Höhepunkt des Ortes in der Vergangenheit zu suchen ist, brachte bittere Not in viele wohlhabende Häuser. Doch die angeknüpften Verbindungen führten allmählich zu einem zwar bescheidenen, aber auskömmlichen Hausierhandel, der dank der Zähigkeit der Satzunger zu neuem, wenn auch bescheidenen Wohlstand führte. Nun scheint auch dieser Erwerbszweig einer schweren Krisis entgegenzugehen.

Aber unverzagt sucht das kleine, regsame Völkchen hoch oben auf dem Gebirgskamm nach neuen Betätigungs- und Erwerbsmöglichkeiten. Der Erzgebirgs-Zweigverein Satzung e. V. hat die Führung übernommen auf dem Wege, der Satzung zum Höhenluftkurort und Wintersportplatz entwickeln soll. Möge es der Ausdauer, dem Opfersinn und der treuen Heimatliebe von Verein und Gemeinde gelingen, vorwärtszuschreiten trotz aller Hindernisse zum Wohle des Ortes und seiner näheren und weiteren Umgebung.
Glückauf!


Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 1 v. 9. Januar 1927


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Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 1, 9. Januar 1927, S. 1

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