Aus der Ortsgeschichte der alten Bergstadt Geyer. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Aus der Ortsgeschichte der alten Bergstadt Geyer.

Zwei alte Urkunden sind für die Anfänge der Stadt Geyer maßgebend. Die erste Urkunde nennt das Bergwerksgebiet der Waldenburger, nur allgemein "das Bergwerk um Ehrenfriedersdorf und auf allen unsern Gütern" und bezeichnet außerdem nur noch Wolkenstein. Die zweite Urkunde nennt innerhalb desselben Bergwerksgebietes noch den Thum, den Geyer und Zschopau als Ortschaften, in deren nächster Umgebung die Markgrafen ohne der Waldenburger Wissen und Willen keinen neuen Markt berufen sollten. Wenn auch Geyer immerhin damals schon von Bergleuten bebaut und bewohnt sein mochte, daß die Waldenburger dort nach Gewohnheit und Recht Fleisch- und Brotbänke hielten, so hatte Geyer doch nicht die Bedeutung einer selbständigen Ortschaft. Erst ab 1407 wurde Geyer ein Ort, dem ein Verbietungsrecht zugelegt werden konnte. Den Abschluß der ältesten Geschichte von Geyer bildet eine Urkunde, wodurch Anarg von Waldenburg am 11. Oktober 1456 bekannte, daß, nachdem sein seliger Vater Heinrich von Waldenburg das Schloß Scharfenstein (Geyer gehörte dazu) an Liborius Senftleben auf Wiederkauf und Hans Walman das Schloß Zschopau an Hans von Keuritz erblich verkaufte und der Kurfürst Friedrich diese Schlösser zu seinen Händen gebracht hätte, er für sich und seine Erben auf den Wiederkauf verzichtet habe. Als eine Entschädigung für diese Verzichtleistung erhielt er von dem Kurfürsten 2333 Schock 20 Gr. "Schlidechts Geld".

Die erste Ansiedlung "auf dem Geyer" gehörte den Herren von Waldenburg, die im Jahre 1377 die Hoheitsrechte über diese den Markgrafen von Meißen abtraten. Im Jahre 1439 kam Geyer mit dem Schloß Scharfenstein an den Münzmeister Liborius Senfftleben. Aus diesem Zeitraum sind noch einige Namen von Bewohnern erhalten. Nikolaus Mönch aus Elterlein wurde in Schlettau wegen einer Fehde gefangen gesetzt und mußte bei seiner Entlassung am 3. August 1434 Urfriede schwören. Als Bürgen hierfür werden neben anderen aufgeführt: Heinrich Koppe, Hans Froß, Enderlein, Mollern und Strempel.

Nach einer alten Beschreibung war der Kirchhof zu Geyer befestigt und lag auf halber Höhe des Berges. Der Wachtturm schützte den Eingang. An den Ecken der Mauer standen kleine Türme. Der Eingang zum Wachtturm geht nur von der Empore der Kirche zu dem Oberbau. Die Kirche wurde im Jahre 1506 vollendet.

Nach einer urkundlichen Nachricht soll hier eine Ritterburg der Herrschaft Scharfenstein gestanden haben. Dieses ritterliche Geschlecht müsse aus den fränkischen Gegenden eingewandert sein. Kurz nach seiner Einwanderung sei es ausgestorben. Auf ein solches Geschlecht deute auch das älteste Wappen von Geyer, die drei Geyerköpfe in dem mit einem Ritterhelme bedeckten Schilde.

Die älteste Benennung "auf dem Geyer" deutet darauf, daß zuerst der Berg so genannt wurde.

Die Nachrichten über die Kirche zu Geyer waren während des Zeitraumes von 1450—1500 ebenso vereinzelt, wie die über die Stadt. Die älteste Urkunde stammt von Friedrich dem Sanftmütigen. In dieser Urkunde erhielten die Geistlichen von Ehrenfriedersdorf, Geyer und Thum ihre Rechte in der Vollziehung der geistlichen Testamente. Dabei werden als Geistliche genannt: Pfarrer Niklas Überjahr und die Altaristen Niklas Koler beim Altar Corporis Christi und Lukas Großchin beim Altar Allerheiligen.

Berühmt und viel besprochen ist aus dem Anfange dieses Zeitraumes die große Glocke von Geyer. Als Kunz von Kauffungen mit seinen Genossen am 6. Juli 1455 die beiden jungen Fürsten Ernst und Albrecht aus der Altenburg entführt hatte und mit ihnen durch das Erzgebirge der böhmischen Grenze zueilte, wurde sogleich der ganze Teil des Erzgebirges, den er durchreiten mußte, in Bewegung gesetzt. Als Boten nach Geyer kamen, wurde die große Glocke so gewaltig zum Sturm geläutet, daß sie zersprang. Von Geyer soll zuerst die Kunde von dem Prinzenraub gebracht worden sein. Zum Danke ließ der Kurfürst Friedrich die Glocke umgießen und mit Bildnissen und Versen zur Erinnerung an die glückliche Rettung der jungen Fürsten zieren. Diese Glocke wog 62½ Zentner und hatte 3250 Thlr. Wert.

Die ältesten Nachrichten über die Nicolaikirche, damals Pfarrkirchr von Geyer, reichen bis zu Bischof Johann von Meißen, der von 1427—1451 regierte, verschwinden aber nach 1491. Wahrscheinlich ist diese Kirche durch Brand verwüstet worden. Was von ihren Schätzen gerettet worden war, kam in die spätere Pfarrkirche. Wann der Bergbau auf dem Geyer seinen Anfang genommen hat, ist ebenso unklar, wie der Ursprung des Ortes selbst. In einer Urkunde vom 28. April 1465 erhielten die fürstlichen Brüder Erhardt Altmann zum Geyer, Hand Kro und ihre Mitgewerke "die weiße Zeche", zum Geyer gelegen, welche sie mit großem Aufwand und wenig Nutzen gebaut hatten, zugeschrieben unter der Bedingung, 8 Jahre hindurch nur den zwanzigsten Zentner Kupfer mit Silber und Metall ungeseigert dem Zehntner in Geyer einzuliefern. Am 26. Dezember 1470 verschrieben Ernst und Albrecht dem Hans Monhaupt zu Freiberg "die Grube zur Gottesgabe bei dem Geyer am Zechenberge" und gaben ihm auf weitere 10 Jahre Münzfreiheit. Außerdem sollte er und seine Erben ganz nach Willen und Gefallen die Grube bauen. Im Jahre 1470 war der Bergbau keineswegs blühend. Das erste in Geyer gebrochene Silbererz wurde durch den Schmelzer Martin Pflugk probiert. Vom Jahre 1502 findet sich die erste Nachricht von einer Gesellschaft des Zinnkaufs, welche sich auch auf Geyer erstreckt zu haben scheint.

1511 wird der Salzmarkt von Geyer zum ersten Male erwähnt. In diesem Jahre wurde die große Ratsglocke von Geyer gegossen. Am 10.11.1522 erkaufte die Stadt Geyer den Schlegelsberg von einem Dresdner Bürger für 148 fl. mit Genehmigung des Herzogs.

In einem besonderen Verhältnis zur Stadt stehen die beiden freien Höfe, der Schützenhof und der Lotter- oder Geyersberg-Hof, die sich von der Stadt lösten und zu selbständigen Rittergütern ausbildeten. Das bevorzugteste Haus in Geyer erhielt den Namen Schützenhof. Als Ulrich Schütze, der Besitzer des Schützenhofes, starb, kam Gregor Schütze, sein Sohn, um 1510 in den Besitz des Hofes. Ihm folgte sein Sohn Wolf Schütze. Von diesem kam der Hof an Gregor Unwirdt, dann an Georg von Hartitsch und dessen Erben. Um 1538 wurden auf dem Schützenhofe von Geyer Schütze Münzen mit dem Schütze'schen Wappen geschlagen. 1530 kaufte Wolf Schütze den Hof des Ulrich Lintacher, der dem Schützenhof gegenüber lag. Das Wappen der Schütze, der gespannte Bogen mit aufgelegtem Pfeil, ist in der Pfarrkirche zu Geyer erhalten.

Der Lotterhof oder das Rittergut Geyersberg entstand später als der Schützenhof durch die Familie Schnee. Um 1520 war Martin Schnee Besitzer des Rittergutes Tannenberg bei Geyer. Sein Sohn, Christoph Schnee, tauschte im Jahre 1535 seinen Besitz mit Caspar Thile, so daß jener alles, was vor ihm Fabian Kluchzer inne gehabt hatte, diesem eignete, dagegen Caspar Thile's Behausung neben der Kirche erhielt. Demnach war diese Behausung das spätere Gut Geyersberg und Caspar Thile der erste bekannte Besitzer desselben. Seit dem Anfanfe des Jahres 1568 findet sich der Name "Lotterhof", der nun auch diesem Gute eine Zeitlang blieb und dann mit dem des "Lehnhofes auf dem Geyersberg" abwechselnd gebraucht wurde. Wie alt die jetzige Hauptkirche ist, läßt sich nicht feststellen. Sie bestand schon vor dem Jahre 1506. In diesem Jahre wurde laut der an einem äußeren Pfeiler befindlichen Schrift der hinterste und jüngste Teil angebaut. Ein zweiter Teil war der Kirche schon früher angefügt worden, so daß das Gebäude jetzt aus drei Teilen von verschiedenem Alter besteht. Der älteste Teil bildet ein Viereck von 19 Schritten Länge und 12 Schritten Breite. Der zweite Teil ist 17 Schritte lang und 12 breit. Beide Teile haben zusammen an der Südseite 4, an der Nordseite nur 3 Fenster. Im dritten Teil, der sieben Strebepfeiler und ein Walmdach hat, stehen der Taufstein und der Altar. An der Westseite ist eine Vorhalle, an der Südseite die Sakristei und an der Nordseite der Turm der großen Glocke. Die Fenster der beiden ersten Teile haben Spitzbogen, die des dritten sind oben rund. Die Gewände sind in allen drei Teilen schräg eingehend und ohne Gliederung. Die beiden Seitentüren des hintern Teiles bilden Spitzbögen. Das Hauptportal an der Giebelseite, im Innern der jetzigen Vorhalle, ist rund. Die beiden ersten Teile der Kirche haben ein steiles Satteldach. Die ganze Kirche ist mit Schiefer gedeckt und hat einen durchaus massiven Giebel. Das Alter des nahe an der Stelle, wo der zweite Teil an den ersten ansetzt, stehenden 7 Stock hohen Turmes schätzt man ungefähr auf 400 bis 500 Jahre. Der Fußboden der Kirche ist teils mit gewöhnlichen, teils mit Leichensteinen gepflastert.

Die Hospitalkirche auf der Westseite der Stadt dient jetzt als Begräbniskapelle für die auf dem anstoßenden Gottesacker stattfindenden Beisetzungen. Sie ist ungefähr 400 Jahre alt. Am ötlichen Ende, wo der Altar steht, hat sie im Mauerwerk und Dach eine mehrseitige Form, wie der hintere Teil der Hauptkirche. Sie ist nur 29 Schritte lang und 12 Schritte breit und war dem heiligen Wolfgang geweiht, dessen Bild wahrscheinlich das ist, welches im Innern des Schiffes mit einer Kirche auf dem Arme, mit Bischofsmütze und Mantel bekleidet, aus Holz geschnitten, steht. Der aufgesetzte Turm ist achteckig und hat wie die Kirche ein steiles Dach. Eine Sakristei ist nicht vorhanden, scheint früher jedoch angebaut gewesen zu sein. Das Altargemälde auf Holz ist stark übermalt und stellt die Kreuzigung dar.

Aus dem Jahre 1504 wird berichtet, daß Reliquien (Stücke vom Schulterbein, die Kniescheibe und eine Rippe der heiligen Mutter Anna) durch Johann Pfeffinger aus Franken in das Erzgebirge gebracht, durch Johann Deitrich, Prediger, Johann von Elterlein, Richter der Stadt Annaberg, u. a. angesehene Bürger in Empfang genommen, bis nach Geyer geleitet und von hier am Sonntag, den 17. März, mit großem Gepränge in die Stadt Annaberg überführt worden sind, wobei der Rat, die vornehmsten Bürger und Frauen, festlich gekleidet, unter Trompeten und bPauken der Prozession bis zur Pfarrkirche vorausgingen und dem zugelaufenen Volk Brot, Heringe und Bier gespendet wurde.

1506 wurde die Kirche durch Anbau des Chores in ihrer jetzigen Gestalt vollendet.

Aus der Zeit der reformatorischen Bewegungen finden sich einige Nachrichten über das Hospital zu Geyer, die Inventarien vom Jahre 1519 und 1526. "Was vor Bereittschaft an Betten, Tüchern und dergleichen Hausgeredte im Hospital vorhanden, verschriben Montags nach Katharine 1526." Das ganze Hausgerät bestand aus 9 Betten, 4 Pfühlen, 4 Kissen, 9 Tüchern, 5 Kissenzügen, 2 Handzwehlen, 2 Pfühlzügen, 1 Fischtigel, 2 Tischtüchern, 1 kupfernem Topf im Ofen, 1 Truhe, darinnen das Gerät liegt, 1 Rost, 1 Bratspieß, 1 Axt, 1 Schüssel und 1 Zuber.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 
Nr. 6 v. 5. Februar 1933

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 126. Jahrgang, Nr. 6, 5. Februar 1933, S. 1

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