Alte Bilder aus Königswalde. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Alte Bilder aus Königswalde.

Das alte Pollmergut in Königswalde.
Mündlichen Berichten ältester Einwohner nacherzählt.

Von kulturhistorischem und ortsgeschichtlichem Wert ist es, wenn alte Gebäude, die den Weg des Vergänglichen gehen und zum Abbruch kommen, im Bilde festgehalten und in der Öffentlichkeit das Interesse für solche Zeugen der Vergangenheit geweckt wird. Wie viel Wertvolles mag noch in alten Gebäuden, Truhen und dergleichen ruhen, das verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden. Es ist doch etwas Erhabenes, Geheimnisvolles, Achtungserweckendes, etwas aus der Zeit unserer Väter, Groß- und Urgroßväter zu erfahren; wie sie einst lebten, bauten, die Geselligkeit pflegten und schafften jeder nach seiner Weise. Einmal geben Überlieferungen Zeugnis von Geselligkeit und Liebe zur Musik, das andere mal wieder geben religiöse Bücher Kunde von dem christlichen Sinn, den sich unsere Vorfahren bewahrten bis an ihr Lebensende.

Ein Zeuge aus der Anfangszeit von Königswalde, das alte Pollmergut, ist durch Abbruch jetzt verschwunden. Das Gebäude in der charakteristischen Bauweise damaliger Zeiten, mit dem sichtbaren Balkenwerk, mit Bretter beschlagenen Giebeln und Strohdach zählte zu den ältesten des Ortes. Es hatte ein Alter von 300 bis 350 Jahren. Früher gehörte noch das an der Brettmühlenstraße kurz vor der Brettmühle gelegene Pollmerkarlgut zu dem Anwesen.

Nach Angaben der ältesten Einwohner, die wiederum nach Berichten ihrer Großeltern zu erzählen wissen, ist das Gut im Jahre 1632 anläßlich des Durchmarsches fremder Soldaten, die außer der Kirche, den beiden Gerichten (die Gasthöfe Ratsgericht und Amtsgericht) noch 25 Gebäude in Asche gelegt hatten, damals verschont geblieben. Es scheint, daß diese Exekution nur den oberen Teil des Dorfes betroffen hatte.

Ferner wurde erzählt, daß einst fremde Soldaten mit großen Mützen in das Gut gekommen seien, die erschrockenen Gutsleute aber getröstet hätten, es geschähe ihnen kein Leid, nur Speise und Trank sei ihr Begehren. Da ihnen dies wunschgemäß verarbreicht wurde, seien sie dann ohne weiteren Schaden anzurichten von dannen gezogen.

Viel Trübsal und Nöte des Ortes hat das alte Anwesen im Laufe der Jahrhunderte vorüberziehen sehen. Da sich die Spuren des Alters immer bemerkbarer machten und eine bauliche Erneuerung notwendig wurde, erfolgte im April 1933 der Abbruch des Gebäudes.

Über die Besitzer dieses Gutes sei folgendes erwähnt: Am 30. März 1838 erwarb Christian Traugott Weigelt das Gut von Johann Traugott Pollmer. Nach diesem scheint das Anwesen den Namen Pollmergut erhalten zu haben, den es bis zuletzt führte. Die nächste Besitzerin war Christiane Charlotte verw. Weigelt geb. Meyer, die das Gehöft aus dem Nachlaß ihres Mannes erwarb. Am 25. Februar 1875 nahm das Gut Christian Friedrich Weigelt in Besitz. Er war Besitzer bis zu seinem 1931 im Alter von 90 Jahren erfolgten Tod. Er war eine bekannte und geachtete Persönlichkeit, ein ehrwürdiger Alter, dessen weisen Rat man oft begehrte in allerlei Fragen des Berufes wie des Lebens. Als Nachkomme Christian Weigelts lebt noch dessen Tochter Hulda verehel. Siegel (die 65jährige Gattin des im Ruhestand lebenden langjährigen und verdienten Kantors von Königswalde, Oberlehrer Bernhard Siegel),deren Geburtshaus das Pollmergut war und das für sie so manche liebe Erinnerung barg.

Der jetzige Besitzer, der den Umbau vornimmt, ost Landwirt Karl Emil Seidler, der nun jetzt ein "neues Pollmergut" an der alten Stelle entstehen lassen wird. "Glück auf" zum Bau und zur Fortführung der jahrhundertealten Tradition der Landwirtschaft auf alter Scholle bis in die fernste Zukunft.

Ein 200 Jahre altes Buch.

Bei dem Abbruch des Pollmergutes fand man auch ein altes Buch religiösen Inhalts. Das Papier ist noch gut erhalten. Auch die Schrift ist noch lesbar. Dieses fast 200jährige Buch zeigt auf dem ersten Blatt in Rot- und Schwarzdruck u. a. folgenden Titel:
"D. Joh. Jacob Rambachs, Weiland Ersten Superintendentes, SS Theol. Professoris Primarii und des Hoch-Fürstlichen Consistorii Assesoris in Giessen, Erbauliche Betrachtungen über den Catechismum Lutheri, wie auch über des Herrn Past. Freylinghausens Ordnung des Heils und Dessen so genanntes Güldenes A B C. Vormals aufm Waysenhause zu Halle in gewissen dazu ausgesetzten Stunden angestellet, ietzt aber Auf vielfältiges Verlangen zur allgemeinen Erbauung herausgegeben und mit nöthigen Registern versehen. Frankfurt und Leipzig 1736."

Es ist beachtlich, wie dieses alte Erzeugnis der Buchdruckerkunst den Einflüssen der Jahrhunderte standgehalten und sich nach fast 200 Jahren bis auf die heutige hastende und jagende Zeit so gut erhalten hat. Das Buch ist über 700 Seiten stark.

Das Königswalder Musikchor um 1865.

Daß unsere Alten Geselligkeit und Musik liebten und zu pflegen wußten, zeigt dieses alte Bild. Aus verschiedenen Berufskreisen hatten sich Königswalder Einwohner in jungen Jahren zusammengetan und ein Musikchor gegründet. Die Einheitlichkeit der Kopfbedeckung, Mütze mit Kokarde, ebenso die fast gleiche Kleidung läßt sie als etwas Geschlossenes, Ganzes, festgefügtes erscheinen, was wohl auch der Fall war; denn nicht nur im Orte, sondern auch auswärts, in Cranzahl usw., standen sie im Dienste der edlen Musika.

Im Gasthof Amtsgericht, der 1864 abgebrannt war, 1865 wieder erbaut wurde, spielten die Musiker 1866 bei dem damaligen Pächter des Amtsgerichts, Franz Beyer, gebürtig aus Kühberg, ebenso wohl auch bei dem Besitzer des Gasthofes Christian Schubert, der ihn 1867 selbst übernahm.

1931 starb der letzte dieses ehemaligen Musikchors, der vierte in der unteren Reihe, Christian Weigelt (Pollmer-San). Die Gattin des Zimmermanns Christian Sacher (der dritte in der oberen Reihe) Ernestine Sacher ist noch am Leben und kann im August den 87. Geburtstag feiern.
—jo.
Königswalde, ehem. Pollmergut.
Das über 300 Jahre alte Pollmergut wurde jetzt abgebrochen.
Das Königswalder Musikchor um 1865.
Das Königswalder Musikchor um 1865.
Obere Reihe von links: Adolf Gebhardt, Maurer, Christian Malz, Maurer, Christian Sacher, Zimmermann, Hermann Heyn, Spitzenverleger, Friedrich Uhlig, Wirtschaftsgehilfe (1890-1899 Gemeindevorstand). Untere Reihe von links: Friedrich Sacher, Zimmermann, Ernst Heyn, Handelsmann, Adolf Pöttrich, Wirtschaftsgehilfe, Christian Weigelt, Wirtschaftsgehilfe (später Besitzer des Pollmergutes). Der erste in der oberen Reihe, Adolf Gebhardt, fungierte als "Tanzmeister", dem es oblag, nach dem "Einklatschen" von den Tanzpaaren die "Dreier" oder "Fünfer" als Tanzgeld einzukassieren, worüber er gewissenhafte Buchung vornehmen mußte. Das in seiner rechten Hand sichtbare "Instrument" diente zum Einkassieren des Geldes, das dann an die Musiker nach jeder Tour abgeliefert wurde.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 126. Jahrgang, Nr. 22, 28. Mai 1933, S. 1

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